… für einen entspannten Umgang mit Bruchstellen.
Keine Frage: Sieger sind in. Unsere Bewunderung für Sieger ist grenzenlos. Unsere Medienkultur ist eine Siegerkultur. Kein Wunder also, dass der Umgang mit Erfolgseinbußen und Lebensbrüchen Berührungsängste auslöst. Dabei haben unsere herkömmlichen Lebenskonzepte mit Beginn der Globalisierung und seinen Begleiterscheinungen wie sich allgemein verschärfender Lebensbedingungen zunehmend Risse bekommen. Im globalen Zeitalter haben wir es mit ganz neuen Herausforderungen zu tun. Vorbei die Zeiten linearer Lebensläufe. Im Zeitalter von Outsourcing und Outplacement gibt es keine Garantie mehr für Beständigkeit: Job- und Ortswechsel gehören heute ebenso zum Alltag wie sich die ständig ändernden soziale Kontexte oder auch die permanent größer werdende Komplexität von Arbeitsprozessen. Und in einer Gesellschaft, die sich das Prinzip »immer schneller, immer besser, immer billiger«, auf die Fahnen geschrieben hat, werden berufliche und private Lebensbrüche zu einer unleugbaren Erfahrung von inzwischen immer mehr Menschen.
Hinzu kommt, dass der Zwang zum Erfolg und zur Demonstration seiner Statussymbole durchaus seine Schattenseiten hat: Immer mehr Menschen, für die der Traum vom perfekten, schönen, erfolgreichen und immer prallen Leben zum Albtraum wird. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich ein psychosoziales Klima allgemeiner Erschöpfung, allgemeiner depressiver Verstimmung und psychosomatischer Friktionen bei uns rasant ausbreitet. Kein Wunder auch, dass die optimistische Grundstimmung: »Wir können es schaffen« und »Alles ist möglich« tiefe Einbrüche erlitten hat. Wie aber stellen wir aber stellen wir uns als Gesellschaft solchen Lebensumbrüchen und Lebenskrisen? Unsere am ökonomischen Erfolg orientierte Gesellschaft verfügt kaum über so etwas wie eine Kultur des Umgangs mit Grenzen und Bruchstellen. Im Zeitalter der Machbarkeit löst der Umgang mit Lebensbrüchen und Lebenskrisen Berührungsängste aus.
Dabei brauchen wir gerade in Zeiten eines rasanten globalen Wandels eine vorwärtsgerichtete Sicht der Dinge, sprich: eine Kultur des Neubeginns, die im Umgang mit biographischen Brüchen auf einen Perspektivwechsel setzt und lösungsorientierte Wege aufzeigt, wie Karriereknicks, Jobverlust, ungewisse Lebensumstände, Trennungen etc. zur Plattform für einen Neubeginn werden. Denn es besteht die Gefahr, dass eine erbarmungslose und hyperaktive Leistungsgesellschaft, die allein den ökonomisch motivierten Erfolg, den Konsum und das Shareholder-Value-Prinzip zum einzig gültigen Lebensentwurf erhoben hat, der Thematik des gesellschaftlichen Umgangs mit Lebensbrüchen so lange auszuweichen versucht, bis vielleicht niemand mehr weiß, wie er damit umgehen soll.
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© Ute Bienkowski. Alle Rechte vorbehalten.
Zenit – Institut für Kreativität und Erfolgsmethodik
Weitere Beiträge zum Thema: Sorbas – eJournal für den Neubeginn.
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