Eine schwarz-gelbe Wunschkoalition, die den politischen Neubeginn vergeigt. Ein deutscher Vizekanzler, der augenscheinlich viel lieber Oppositionspolitik macht. Eine Kanzlerin, von der niemand so recht weiß, wofür sie steht und wohin sie will. Wer glaubt, er habe es hier mit der Steilvorlage für ein grottenschlechtes Bauerntheater zu tun, wird schnell eines Besseres belehrt. Denn hier geht es um die deutsche Realpolitik 2010. Eine Realpolitik, die schon deshalb zur Groteske verkommt, weil die Kanzlerin als Hüterin der Richtlinienkompetenz den Deutschen zur Bundestagswahl 2009 ein neues Denken versprochen hatte. Und auch ihr alarmistischer Vizekanzler, der das Land wie kaum ein anderer polarisiert, wollte eigentlich die geistig-politische Wende bringen.
Was vom politischen Neubeginn in Deutschland stattdessen übrig blieb, sind die klein-kleinen Grabenkämpfe seiner Volksvertreter, ihr parteipolitisches Machtgerangel, Quertreiberei aus Bayern. Entsprechend groß die Enttäuschung beim entnervten Wahlvolk, das sich mittlerweile zu Recht fragt: Ist Politik denn nur noch Selbstzweck?
Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses erbärmliche Politikspektakel mag so mancher Wähler geneigt sein, dem Denkforscher Dietrich Dörner Glauben zu schenken, der bei seiner Suche nach »der Logik des Misslingens« herausgefunden haben will, dass es eine menschliche Tendenz zu sein scheint, gerade dann zur Lösung der falschen Probleme Zuflucht zu nehmen, wenn die richtigen, ernsthaften als zu schwierig und zu unübersichtlich erleben werden. Eine Tendenz, von der offensichtlich auch die uns Regierenden nicht verschont blieben. Wie sonst ist zu erklären, dass ein wirklicher Lernprozess durch die Wirtschaftskrise weder in der Politik noch in den Unternehmen bisher stattgefunden hat?
Noch immer harren wir einer Finanzmarktregulierung. Und auch eine Zwangsabgabe für Banken ist gerade mal in der Planung. Kein Wunder, dass sich eine erschreckende Politikverdrossenheit als Katalysator für ein psychosoziales Klima allgemeiner Verunsicherung und Lebensunzufriedenheit in Deutschland breit macht. Denn angesichts der drängenden Probleme unserer Zeit erwartet der Wähler endlich eine politische Weichenstellung, nicht zuletzt deshalb, weil er und seine nachfolgenden Generationen die Zeche für die Finanzkrise zahlen müssen.
Vor dem Hintergrund einer gigantischen Staatsverschuldung werden wir es in Zukunft mit einer Politik der Schrumpfung zu tun haben, wie es der Gesellschaftsforscher Berthold Vogel ausdrückt. Und der sozial verträgliche Umgang damit wird zu den großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen gehören. Statt sich jedoch in permanenter Panikmache zu üben, sollten die Medien eigentlich voll davon sein, wie die neuen ökonomischen Bedingungen der Globalisierung in Bildung übersetzt werden können, damit die ökonomischen Unwägbarkeiten beherrschbarer und die Abstiegsangst durch die Entwicklung von Lösungsstrategien gemindert wird. Denn zur allgemeinen Lebenszufriedenheit trägt vor allem die Zuversicht bei, den veränderten Wettbewerbsbedingungen nicht bedingungslos ausgeliefert zu sein, sondern ihnen sehr wohl etwas entgegensetzen zu können.
Und so wird die Zukunftsfähigkeit Deutschland nicht zuletzt von der Frage abhängen, wie wir den neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen trotzen wollen, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben.
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Zenit – Institut für Kreativität und Erfolgsmethodik
Weitere Beiträge zum Thema: Sorbas – eJournal für den Neubeginn.
Tags: berthold vogel, dietrich dörner, globalisierung, kanzlerin, Neubeginn, Politik, regierungskoalition, schwarz-gelb, vizekanzler, wirtschaftskrise
9. April 2010 um 07:04 |
Oder auch so:
http://neglectable.wordpress.com/2010/03/30/gesellschaftsdialog/